Flussangler-Logo
Bauanleitung_fuer_ein_Drachkovitch-System Bauanleitung für ein Drachkovitch-System

Foto: Drachkovitch-System

Das Drachkovitch-System ist ein System zur aktiven Präsentation eines toten Köderfisches. Es verdankt seinen Namen dem Franzosen Albert Drachkovitch und seine Beliebtheit dem Umstand, dass die Verbindung eines natürlichen Köders mit einer aktiven Köderführung zusätzliche Biss- Anreize erzeugt.
Sein Erfinder soll gesagt haben, dass es an diesem System nichts mehr zu vereinfachen oder zu verbessern gibt. Ich habe es trotzdem versucht. Die Verbesserung betrifft das Bleigewicht. Mein Ziel war, dass das Bleigewicht jederzeit schnell und unkompliziert gewechselt werden können muss – und das, ohne zu riskieren, anschließend auch den Köderfisch austauschen zu müssen. Besonders in Fließgewässern kann es notwendig werden, die Bebleiung mehrfach innerhalb einer Angel-Session zu ändern.

Bei dem Bleigewicht handelt sich normalerweise um ein gespaltenes Kugelblei, das auf eine längliche Öse (ähnlich einem Kettenglied) aufgepresst ist. Das so erzeugte Gewicht wird mittels Sprengring an der V-Feder eingehängt. Theoretisch kann man also das Bleigewicht tauschen, indem man den Sprengring öffnet. In der Praxis funktioniert das aber nicht wirklich gut, wenn man schon einen Köderfisch montiert hat, da man den Sprengring kaum zu fassen kriegt, da halb im Fischmaul verborgen. So bleibt nur, das Spaltblei zu entfernen und durch ein anderes zu ersetzen. Um das zu vermeiden, befestige ich die Bleie ‚austauschfreundlich‘. Und wenn man schon dabei ist, kann man gleich den Rest auch noch selber machen und das System genau an die eigenen Bedürfnisse abpassen. Und das geht so:
Das Blei erhält eine Bohrung von ca. 3mm Durchmesser. Verwendet man Kugelbleie, so bohrt man das vorhandene Loch entsprechend auf. Die schweren Bleie gieße ich mir aber selber. Als Gußform nehme ich Nüsse aus dem Ratschenkasten (Bild 1). Zum Gießen stelle ich die Nüsse mit der Öffnung nach unten (also den Innen-Vierkant nach oben) einfach auf ein ebenes Blech.

Bauanleitung_fuer_ein_Drachkovitch-System_1.png
Bild 1: Eine Auswahl meiner „Einfachst-Gussformen“...

Achtung!
Blei ist potenziell gesundheitsschädlich!
Beim Arbeiten mit Blei nicht essen oder trinken. Beim Umgang mit flüssigem Blei für gute Belüftung sorgen. Bleireste nicht in die Umwelt gelangen lassen. Nach der Arbeit die Hände gründlich waschen!
Bauanleitung_fuer_ein_Drachkovitch-System_2.png
Bild 2: ...und verschiedene Stufen der Bleie vom ‚Rohling‘ bis zum gebohrten Blei mit Öse

Alle mir bekannten Sechskant-Nüsse haben eine Öffnung zwischen dem Sechskant und der Seite, in die der Vierkant der Ratsche eingesteckt wird. Der Schmelztiegel sollte einen ausreichend feinen Ausgießer haben, dann kann man das flüssige Blei bequem von der Vierkant-Seite her eingießen. In 90% der Fälle wird man zuviel Blei eingießen, dann gibt es einen ‚netten‘ 'Formschluss' so dass man den 'Anguss' oben freibohren und anschließend das Blei mit einem Durchschlag herausklopfen muss. Wer eine Ständerbohrmaschine mit Maschinenschraubstock zur Verfügung hat, den braucht das nicht zu schrecken. Wem das zu aufwändig ist, kauft sich halt ein Sortiment Kugelbleie. Ein Vorteil der Sechseck-Form: Diese lässt sich gut einspannen (ganz im Gegensatz zu Kugelbleien). Als Anhaltswert für den Zusammenhang zwischen Schlüsselweite (SW) der Nuss und Blei-Gewicht kann gelten:

Bauanleitung_fuer_ein_Drachkovitch-System_Tabelle.png

Annahme hierbei: Schlüsselweite entspricht der Länge des Blei-Sechskants. Ansonsten die Tabellenwerte linear hochrechnen mit Faktor: Tatsächliche Länge/SW*Gewicht Das Arbeiten mit Edelstahldraht ist gewöhnungsbedürftig, weil das Material recht hart ist und stark federt. Die Öse, auf die das Blei aufgeschoben wird, sieht so aus:

Bauanleitung_fuer_ein_Drachkovitch-System_3.png
Bild 3: Fertige ‚O/Haarnadel-Öse‘

Der runde Bereich links (das ‚O‘) dient als Anschlag für das Blei. So wird verhindert, dass es bis gegen den Sprengring rutscht und die Beweglichkeit des Systems behindert. Der schmale Bereich (die ‚Haarnadel‘ der Öse), wird so lang gewählt, dass die Öse ein paar Millimeter aus dem Blei herausragt. Hier wird dann später der Karabiner eingehängt. Ein paar Tipps zur Herstellung der ‚O/Haarnadel-Öse‘: Da das Material stark zurückfedert und die Weite der schmalen Öse sonst schwer steuerbar ist, gehe ich wie folgt vor: Aus beliebigem 1er Stahldraht biege ich eine kleinen 'Hilfs-Ring' oder eine sonstige, beliebige geschlossene Kontur. Vom Edelstahldraht winkle ich ein Stück x+3mm haarnadelförmig ab (x=Länge des Bleis). In die entstandene Biegung hänge ich den 'Hilfs-Ring‘ und presse die Biegstelle mit der Flachzange zusammen. Auf diese Weise erreicht man, dass die Öse eine Breite erhält, die zur Bohrung des Bleis und auch zur Drahtstärke des Karabiners passt. Der 'Hilfs-Ring' kann nun wieder entfernt werden (Bilder 4 – 5).

Bauanleitung_fuer_ein_Drachkovitch-System_4.png
Bild 4: Der ‚Hilfs-Ring‘ wird eingehängt...

Bauanleitung_fuer_ein_Drachkovitch-System_5.png
Bild 5: ...und mit einer Flachzange die haarnadelförmige Öse eingestellt

Nun wird der runde Teil der Öse gebogen:
Hierzu wird knapp unterhalb des freien Drahtendes der Draht rechtwinklig weggebogen und mit einer Spitzzange ein Ring mit einem Durchmesser von ca. 5mm geformt. Wenn der Ring nahezu geschlossen ist, wird in Richtung der schmalen Öse abgebogen und 3mm unterhalb des Ösenendes abgeknipst. Fertig!

Bauanleitung_fuer_ein_Drachkovitch-System_6.png
Bild 6: Die Rund-Öse wird gebogen...

Bauanleitung_fuer_ein_Drachkovitch-System_7.png
Bild 7: ...und der Draht ca. 3mm unterhalb der 180°-Biegung abgeknipst

Sinnvollerweise beschafft man sich erst die Bleie und passt die Länge der Haarnadel-Öse entsprechend an.
Der runde Bereich der Öse wird in den Sprengring eingehängt und dieser wiederum in das Öhr der V-Feder, die man wie folgt herstellt: Ein Edelstahldraht wird an einem Ende mit einer Öse versehen, indem man den Draht 2x um einen zylindrischen Metallgegenstand herum zwingt, den man in einen Schraubstock eingespannt hat. Bei 1er Draht geht es aber auch noch 'frei Hand', wenn an dem Zylinderstift was Ordentliches zum Anfassen dran ist (z.B. kleiner Kreuzschlitz-Schraubendreher). Das Drahtende wird ca. 2x um den Draht gewunden und dann dicht am Draht abgeknipst.

Bauanleitung_fuer_ein_Drachkovitch-System_8.png
Bild 8: Die Öse der V-Feder wird geformt...

Bauanleitung_fuer_ein_Drachkovitch-System_9.png
Bild 9: ...das Drahtende umgelegt, der Draht abgelängt und die V-Feder geformt.

Als nächstes wird der Draht entsprechend der Köderfischgröße abgeschnitten. Faustformel: Drahtlänge (ohne die Öse!) ca. 1,1x Köderfisch-Länge, abhängig von der Anatomie der verwendeten Köderfische. Lieber etwas länger lassen, abschneiden kann man immer noch. Nun wird der Draht in Form einer V-Feder gebogen. Das freie Ende muss ein Stück kürzer sein, als das mit der Öse.
Das freie Ende wird leicht von dem mit der Öse weg gebogen.
Der Sinn: Das Ende soll sich später im Kiefer des Fischmauls verankern, darf also nicht herausragen. Die Drahtstärke der V-Feder sollte man nach der gewünschten Köderfischgröße auswählen, die Feder wird mit zunehmender Länge immer 'weicher', was man durch größere Drahtstärke ausgleichen kann. Für Klammern bis 5cm habe ich 0,8er Edelstahldraht verwendet, darüber 1er. Nun wird der Drilling / werden die Drillinge über ein Stahlvorfach angecrimpt. Und zwar an der Öse der V-Feder, nicht am Sprengring!
Nun fehlt nur noch der Kupferdraht (ca. 20cm), der ebenfalls an der Öse der V-Feder wird befestigt wird. Zum Schluss wird die ‚O/Haarnadel-Öse‘ für das Blei in den Sprengring eingehängt. Das passende Blei kann man dann vor Ort aufschieben. Gesichert wird das Blei durch Einhängen des Wirbels.
Das Wechseln geht sehr einfach:
Wirbel lösen – Blei austauschen – Wirbel einhängen – fertig! Die im Handel erhältlichen Systeme sind meist mit einem 10g-Gewicht ausgestattet. Mit dem Schnellwechsel-System lässt sich das Gewicht fast beliebig variieren. Um ein Aufziehen der ‚O/Haarnadelöse‘ zu verhindern, muss aber immer ein Blei aufgeschoben sein. Wer mal ganz ohne Blei fischen möchte, der kann z.B. ein kleines Metallröhrchen als Sicherung aufschieben.

Bauanleitung_fuer_ein_Drachkovitch-System_10.png
Bild 10: Gibt’s so nicht zu kaufen: ‚Drachkovitch‘ mit Schnellwechsel-Blei (im Bild ein ziemlicher 'Klopper')

Der Köderfisch wird wie folgt befestigt: Die V-Feder wird durch das Fischmaul tief in die Leibeshöhle eingeführt, bis das freie Federende im Oberkiefer 'einrastet'. Das ist besser, als mit der Spitze Richtung Unterkiefer, da dieser weniger stabil ist und schneller vom Drahtende durchstoßen wird, wodurch der Festsitz verschlechtert wird. Das Ende des Kupferdrahtes glättet man durch Ziehen und fasst es ‚kurz‘ zwischen zwei Fingern an. Wenn man den Draht im spitzen Winkel abgezwickt hat, kann man den Draht quasi direkt als Ködernadel benutzen. Nun wird das freie Ende des Kupferdrahts zwischen Auge und Kiemendeckel seitlich durch den Fischkopf gestoßen und anschließend vollständig um den Kopf nach vorne gewickelt. Das ist wichtig, damit die V-Feder beim Werfen nicht herausgezogen wird, bzw., damit das Fischmaul gegen den Druck der Feder geschlossen bleibt.

Bauanleitung_fuer_ein_Drachkovitch-System_11.png
Bild 11: Sieht etwas bizarr aus, aber es soll ja auch halten! So verankert, sollte der Köderfisch einige Würfe überstehen!

Zur Köderführung gibt es zahlreiche Beschreibungen im Netz, das reicht vom Zupfen, den 'Überschlägen', dem langsamen Einholen, über Jiggen... darüber will ich mich nicht weiter auslassen.
Zum Schluss nochmal der Hinweis, dass die Abmessungen, die Anzahl und Art der Haken usw. dem Zielfisch angepasst werden können und sollen. Das gleiche gilt für die Bebleiung. Diese wird man im See anders dimensionieren können, als in einem Fließgewässer. Insofern sind alle Abbildungen nur als Beispiele zu verstehen.

Viel Spaß beim Selbermachen & Petri Heil!

Fenster schließen

Autor: John_Dori , © Flussangler.com Mehr über das Drachkovitch-System finden Sie in unserem Forum